“Früher hat das alles immer mein Mann erledigt”

Die Altenhilfe „alt – arm – allein“ bietet Unterstützung in allen Lebenslagen und jede Menge Zuspruch

Von Andreas Sebald

 Praktische Hilfe in der Wohnung, Unterstützung im Umgang mit Behörden, oder einfach mal zusammen Plätzchen backen: Das Hilfsangebot von „alt – arm – allein“ ist vielschichtig – und bietet manchmal ganz neue Perspektiven.

Die Kommunikation mit Behörden ist so eine Sache. Ein Bescheid hier, eine Überweisung da, dazu kommen Mitteilungen, die ins Haus flattern, oder Anträge, die einfach gestellt werden müssen, weil sich sonst nichts tut. Und im schlimmsten Falle, da kommen Mahnungen ins Haus. Wofür, das wusste die 70-Jährige erst mal gar nicht. Den Papierkram, das habe immer ihr Lebensgefährte erledigt. Der habe durchgeblickt, alles sortiert und den Schriftverkehr mit Ämtern und Behörden übernommen.

Der Lebenspartner war aber vor zwei Jahren etwa, nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Die Frau hatte ihn daheim liebevoll gepflegt, in den eigenen vier Wänden, so lange es ging, dann mit Unterstützung, zuletzt im Hospiz in Landstuhl. Die Schreiben der Behörden aber blieben, wurden gar mehr, denn die Lebenssituation der Frau hatte sich ja geändert. „Ich wusste weder ein noch aus“, berichtet die Seniorin im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Da hätte ich mal besser aufpassen sollen“, meint die Frau nachdenklich.

Unterstützung fand sie bei der Altenhilfe „alt – arm – allein“. Das mittlerweile in der Königstraße 25 ansässige Team sichtete die Akten, nahm sich der Schreiben an und trat in den Austausch mit Verwaltung und GEZ, um einmal zwei Beispiele zu nennen. Clara Künzel, die Leiterin der Geschäftsstelle von „alt – arm – allein“, kennt solche Situationen gut, hat Erfahrung mit Menschen, die angesichts offizieller Schreiben schnell überfordert sind. „Montag, Dienstag und Mittwoch, immer von 10 bis 12 Uhr“, nennt die Seniorin – ohne nachdenken zu müssen – die Sprechstunden bei der Altenhilfe, in denen Clara Künzel sich verstärkt der Kommunikation mit Behörden widmet.

Den Kontakt zu „alt – arm – allein“ stellte eine Freundin der älteren Dame her. Ihr gefiel es gut, die Hilfsangebote, die Ausflüge, einfach der Kontakt zu anderen Menschen. Dann erkrankte ihr Partner, sie war immer stärker eingebunden. „Die Pflege hat mich ein wenig isoliert“, sagt sie. Nun hat sie die Verbindung zur Altenhilfe wieder hergestellt. Seit etwa 30 Jahren lebt sie in Kaiserslautern, stammt ursprünglich aus einer Stadt am Rhein, berichtet sie. Arbeit fand sie in der Wäscherei des Klinikums, später dann auf Station, bis sie aufgrund einer Erkrankung nicht mehr arbeiten konnte.

Zusammen mit ihrem Partner erhielt sie Grundsicherung, musste dann auf Wohngeld wechseln, was die angesprochenen Probleme mit den Behörden mitverursachte. Sie erneuerte den Kontakt zu „alt – arm – allein“, das Team half umgehend dabei, Licht ins Dunkel zu bringen, ordnete die Verhältnisse der Frau. „Das will ich nicht mehr erleben“, sagt sie mit Blick auf Mahnungen, die ins Haus flatterten. Aber auch bei anderen Dingen war die Altenhilfe für sie da. Das Wohnzimmer musste renoviert werden, „alt – arm – allein“ organisierte Hilfe beim Tapezieren und Streichen. „Früher hat das alles immer mein Mann erledigt, der hat alles repariert“, sagt die Frau nachdenklich. Und hält kurz inne.

In die Sprechstunden muss sie nur noch bei Bedarf kommen, dafür nimmt sie gerne die anderen Angebote, allen voran die Treffen und Zusammenkünfte, an und kommt dazu gerne in der Königstraße vorbei. „Oktoberfest, Geburtstagscafé, Adventskränze binden“, zählt sie auf. Carmen Nebling vom Team der Altenhilfe zeichnet für die Treffen verantwortlich. „Die machen schon viel hier, das ist einfach super“, lobt die Frau. So komme sie auf andere Gedanken, könne Kontakte zu anderen Menschen knüpfen.

Manchmal, da ermöglicht „alt – arm – allein“ auch neue Einblicke. In der Woche vor Weihnachten organisierten die Helfer in Zusammenarbeit mit dem FCK eine Weihnachtsfeier im Stadion. Ein Erlebnis, das sichtlich Eindruck bei der Frau hinterlassen hat. So riesengroß sei das Stadion! Und so viele Eingänge! „Es war toll“, entfährt es ihr. Sie kenne das Fritz-Walter-Stadion nur aus dem Fernsehen und aus Erzählungen. Aber es live zu sehen, das sei dann doch noch mal was anderes. Die Frau nimmt einen Schluck aus ihrer Tasse. „,alt –arm – allein‘ bietet Hilfe in allen Lebenslagen“, fasst sie es zusammen.

Quelle: DIE RHEINPFALZ, Ausgabe Pfälzische Volkszeitung vom Montag, 29. Dezember 2025

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