„Das Team hier ist eine große Hilfe“

alt – arm – allein: Altenhilfe unterstützt 78-Jährigen nicht nur materiell – Ansprache ist ihm wichtig

Von Andreas Sebald

Neue Schuhe, eine neue Dunstabzugshaube, Unterstützung bei bürokratischen Hürden, ein Lebensmittelgutschein oder einfach ein gutes Wort und eine Tasse Kaffee. Das Schicksal eines 78-jährigen Mannes zeigt exemplarisch, wie breit aufgestellt das Hilfsangebot der Altenhilfe ist.

Was ihm an „alt – arm – allein“ gefalle? Der 78-Jährige muss gar nicht überlegen, die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. „Alles!“ Dass es die Altenhilfe überhaupt gibt, dass sie Menschen unter die Arme greife, das finde er schon mal allgemein sehr, sehr gut. Und konkret? Beispiele kann der geborene Brite ohne zu zögern nennen. Er sei beispielsweise Hobbykoch. Als in seiner Küche nach und nach die elektrischen Geräte den Geist aufgaben, konnte „alt – arm – allein“ helfen: neues Ceranfeld, neuer Geschirrspüler, neue Abzugshaube. „Es werden nicht nur Dinge ersetzt, es wird auch dabei geholfen, dass die neuen Geräte angeschlossen werden. Das ist sehr wichtig“, findet der ältere Herr.

Vor einigen Jahren, als er noch besser zu Fuß war und gerne und viel gelaufen ist, da habe ihm „alt – arm – allein“ jedes Jahr ein neues paar Schuhe finanziert. Und: Die Zuschüsse für Lebensmittel seien ebenfalls wichtig. „Dafür gibt es nur Essen und Toilettenartikel, keinen Alkohol, keinen Tabak“, unterstreicht der Mann. Er erlebe immer wieder, dass Außenstehende der Meinung seien, die Gutscheine für die Supermärkte würden ja sowieso nur in Schnaps und Zigaretten investiert. Mitnichten!

1972 aus England nach Deutschland gekommen

Der 78-Jährige stammt aus Liverpool, kam Anfang der 1970er Jahre nach Deutschland. Er stammt aus der gleichen Straße, in der einst auch der junge Paul McCartney lebte, erzählt der Brite nicht ganz ohne Stolz. Eigentlich wollte er es damals bis Südfrankreich schaffen, aber er blieb in der Westpfalz hängen. Zunächst in Zweibrücken, dann später in Kaiserslautern fand er eine Anstellung als lokale Kraft bei den US-amerikanischen Streitkräften. Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt ging er in Rente. Seine finanzielle Situation ist angespannt. Warum? Das lässt sich grob so zusammenfassen. Als Engländer war er in Deutschland bei den US-Amerikanern angestellt und bei den Einzahlungen in die Rentenkasse ging offenbar gehörig etwas schief. Die Folge: Der Mann lebt von Sozialhilfe – und seit rund sieben Jahren von der Unterstützung der Altenhilfe „alt – arm – allein“.

Abgesehen von der materiellen Hilfe – Küchengeräte, Gutscheine, finanzielle Hilfe bei neuen Schuhen oder auch bei Taxifahrten – sei auch die Ansprache in der Zentrale von „alt – arm – allein“ in der Königstraße ein wertvoller Beitrag. „Das Team hier ist eine große Hilfe“, lobt der Mann. Beispiel: Banküberweisungen. Früher habe er auf die Hilfe der Sparkassenmitarbeiter in der Filiale seines Vertrauens – nahe seiner Wohnung im Stadtgebiet – bauen können. Die Filiale ist mittlerweile geschlossen, mit den Selbstbedienungsterminals komme er nicht so gut klar. Clara Künzel, die Leiterin der Geschäftsstelle, pflichtet bei.

Immer mehr ältere Menschen kämen vorbei und bräuchten Hilfe bei Formularen aller Art, auch bei Bankgeschäften. Die Hilfe bei von bürokratischen Vorschriften aufgeworfenen Fragen sei „immens wichtig.“ Der Mann wird nicht müde, das zu betonen. „Das Team hier hat schon so viel für mich getan.“

Pfade durchs Dickicht der Bürokratie

Manchmal komme er auch einfach so vorbei auf der Geschäftsstelle, für eine Tasse Kaffee, ein kurzes Gespräch, oder er besuche die Angebote in der Königstraße, etwa den Spielenachmittag von „alt – arm – allein.“ Da er nicht so gut zu Fuß ist, nimmt er dafür auch mal einen seiner Taxi-Gutscheine, oder investiert in eine Fahrt aus dem eigenen Budget. „Ohne alt – arm – allein könnte ich mental nicht überleben“, sagt der Mann. Und lächelt.

Quelle: DIE RHEINPFALZ, Ausgabe Pfälzische Volkszeitung vom Montag, 8. Dezember 2025

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