Wenig Geld und gesundheitlich schwer angeschlagen

Wie eine Frau dank der Altenhilfe „alt – arm – allein“ neuen Mut fasste

Von Sara Brunn

 1100 Euro Rente: Das ist alles, was einer 74-Jährigen jeden Monat bleibt. Eine Ausbildung hat sie nie gemacht, sich durchgeschlagen. Ohne „alt – arm – allein“ hätte sie den Mut schon längst verloren. Auch weil die Altenhilfe ihr beisteht, als sie um ihr Leben fürchtet.

Große Sprünge erlaubt sich die Frau nicht. Sie ist froh, wenn das Geld am Ende des Monats für die Miete, die Heizung, ein paar Lebensmittel gereicht hat. „Ich bekomme 1100 Euro, da sind 180 Euro Wohngeld drin“, sagt sie. Das reiche eigentlich selten so richtig. Ausgehen, mit Freunden etwas unternehmen, das sei nur noch selten möglich. „Meine Eltern hatten einen Saisonbetrieb. Ich habe daher keine Ausbildung gemacht, habe zunächst dort gearbeitet“, erzählt die 74-Jährige. Doch nach dem Tod des Vaters habe ihre Mutter den Betrieb verkauft „und ich stand ohne Ausbildung da“. Die Bezahlung für Menschen ohne Ausbildung sei katastrophal, man werde oft ausgenutzt. Das wisse sie heute.

Auf der Suche nach Arbeit wurde die Frau bei einer Parfümerie fündig, ging in den Verkauf. „Ich habe im Laufe der Jahre viele verschiedene Jobs gemacht“, blickt sie zurück. Mitte der 1980er Jahre zog sie der Liebe wegen nach Kaiserslautern. Wenn sie von den letzten beiden Stellen in ihrem Arbeitsleben spricht, beginnen ihre Augen wieder zu leuchten. „Ich war im Kindergarten als Ein-Euro-Kraft. Wenn ich dort morgens die Treppe hoch kam, hingen mir die Kinder direkt am Bein. Das war eine schöne Zeit“, erzählt sie. Doch auf Dauer sei keine Planstelle frei gewesen, die Kita-Leitung habe sie aber weiterempfohlen, sodass sie im Ökologieprogramm der Stadt unterkam. Auch die Projekttage mit Schulklassen und Kita-Gruppen zur Umweltbildung hat sie in guter Erinnerung.

Doch es folgte eine lange Krankheitsphase, dann die Rente. Einen Monat lang habe sie kein Geld bekommen, da der Bescheid noch nicht bewilligt war. Sie geriet in finanzielle Schieflage, immer häufiger wusste sie nicht mehr, wie sie Rechnungen bezahlen sollte. „Da kommt man nicht mehr raus, wenn das Gehalt oder die Rente nicht entsprechend ist“, sagt sie. Irgendwann habe sie nicht mehr weiter gewusst.

„Eine Bekannte von mir kannte Norbert Thines, hat ihm von mir erzählt. Am nächsten Tag hat es bei mir geklingelt und er kam die 68 Stufen rauf“, erzählt die Frau. Der ehemalige FCK-Präsident war Mitgründer von „alt – arm – allein“, fortan sei sie von der Altenhilfe unterstützt und zur Schuldnerberatung vermittelt worden. Als ihre Waschmaschine kaputt ging, sprang die Altenhilfe auch ein.

Seit drei Jahren kämpft sie nicht mehr nur um ihre finanzielle Existenz. „Ich sollte am Rücken operiert werden, dabei wurde festgestellt, dass ich ein Aneurysma an der Schlagader habe, das sofort operiert werden muss“, erzählt sie. Ein einschneidender Moment für die 74-Jährige. Sie sei unendlich dankbar, überlebt zu haben. „Drei meiner Freunde sind an einem Aneurysma gestorben“, sagt sie und schluckt schwer.

Mehrere Zwerchfellbrüche folgten, die Wunde heilt bis heute nur schlecht, immer wieder wurde sie operiert. „Ich war ständig im Krankenhaus, habe darüber das Finanzielle vernachlässigt und hatte gar keinen Kopf dafür“, erzählt sie. Vor einiger Zeit beim Leeren des Briefkastens dann der große Schock: Die Stadtwerke forderten für die Heizung eine Nachzahlung, fast 1700 Euro. „Ich weiß nicht, wie das weitergehen soll. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nichts Besseres gibt als diesen Verein“, sagt sie. Immer werde ihr geholfen, „sie sind für die Seele zuständig, das kann man gar nicht in Worte fassen. Nur wegen ihnen habe ich wieder Mut gefasst“, sagt sie. Die Mitarbeiter und Ehrenamtler von „alt – arm – allein“ fänden immer eine Lösung, egal ob es um Hilfe bei Bürokratieangelegenheiten gehe, um ein liebes Wort und Trost in einer verzweifelten Lage oder um eine Art finanziellen Vorschuss, „den ich natürlich zurückbezahle“.

Quelle: DIE RHEINPFALZ, Ausgabe Pfälzische Volkszeitung vom Donnerstag, 22. Januar 2026

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