alt – arm – allein: 25. RHEINPFALZ-WEIHNACHTSSPENDENAKTION

Das zweite Corona-Jahr setzte der Altenhilfe „alt – arm – allein“ erneut Grenzen. Zeitweise war die Geschäftsstelle für den Publikumsverkehr geschlossen, die Leistungen waren eingeschränkt, die Kontaktmöglichkeiten vermindert. Mit der 25. Weihnachtsspendenaktion geht „alt – arm – allein“ in ein Jahr der Hoffnung.

 

Von Joachim Schwitalla

„2021 hat begonnen, wie das Jahr 2020 endete: mit einem lähmenden Lockdown“, erinnert Werner Stumpf, Vorsitzender der Kaiserslauterer Altenhilfe „alt – arm – allein“. Der Lockdown habe die Arbeit des Vereins begrenzt. Direkte Kontakte und Hausbesuche seien kaum möglich gewesen. „Uns zurückzuhalten, das war das Gebot der Stunde.“ Telefonisch sei die Geschäftsstelle immer erreichbar gewesen.

Dennoch habe der Verein organisatorisch viel geleistet, verweist Stumpf auf die telefonische Beratung, „Wir haben versucht, ältere Menschen zu motivieren, sich impfen zu lassen.“ Das habe viel Überzeugungsarbeit gebraucht. Man könne ältere Menschen nicht zwingen, sich impfen zu lassen. Immerhin habe der überwiegende Teil einer Impfung zugestimmt. Für etliche Personen hat der Besuchskreis einen Fahrdienst zu den Impfzentren organisiert.

Beliebte Veranstaltungen mussten ausfallen

Auf beliebte Veranstaltungen der Vorjahre hat der Verein aus Gründen der Kontaktbeschränkungen verzichten müssen. Weder das Waldfest der Zuversicht, das gewöhnlich in den Sommermonaten in der Fuchsdell, auf dem Gelände der Hobbysingers in Erfenbach, stattfindet, weder die Fahrt zur Kneispermühle bei Wallhalben, noch die Weihnachtsfeier an Heiligabend im Restaurant Julien haben stattfinden können. Im Juni abgesagt wurde auch das Benefizkonzert mit dem Bundeswehrorchester in der Fruchthalle.

 

Senioren, die in der Kartei von „alt – arm – allein“ geführt werden, wurden zu Weihnachten mit einem Päckchen bedacht. Eine Aufmerksamkeit, bei der die Altenhilfe beim Päckchenpacken von Mitarbeitern der Westpfalzwerkstätten und beim Austeilen von Mitgliedern des Besuchskreises unterstützt wurde.

„Für das finanzielle Polster von ,alt – arm – allein’ war die 24. Weihnachtsaktion ein gutes Jahr“, verweist Stumpf auf ein außerordentliches Spendenvolumen von 391.000 Euro. Ein Plus von fast 60.000 Euro gegenüber dem Vorjahr. „Das haben wir so nicht erwartet.“ Viele Bundesbürger seien im vergangenen Jahr von Kurzarbeit betroffen gewesen und hätten dadurch weniger Geld in der Tasche gehabt.

Ein toller Erfolg zeichne sich bei der Versteigerung von 973 historischen Lautrer Straßenschildern ab, freut sich Stumpf. Beigeordneter Peter Kiefer hatte die Straßenschilder, die Kaiserslautern noch bis Ende der 70er Jahre in farbige Fünftel eingeteilt hatten, der Lauterer Altenhilfe und dem Verein Lichtblick 2000 zur Versteigerung freigegeben.

Von einer Klausurtagung im Frühjahr 2022, bei der die bisherigen Aktivitäten von „alt – arm – allein“ reflektiert werden, erhofft sich Stumpf Impulse für die künftige Arbeit. „Wir wollen überlegen, wie wir die Leute langsam wieder an ein normales gesellschaftliches Leben heranführen“, blickt der Vorsitzende trotz der gegenwärtigen Entwicklung der Pandemie optimistisch in die Zukunft.

Seit 2018 steht Werner Stumpf als Nachfolger des im Sommer verstorbenen Ehrenvorsitzenden Norbert Thines an der Spitze von „alt – arm – allein“. Stumpf sagt, er habe während seines Berufslebens bei der Stadtsparkasse immer auf der Sonnenseite des Lebens gestanden. Jetzt, wo er im Ruhestand sei, möchte er der Gesellschaft etwas zurückgeben. „Mir liegt die Arbeit bei ,alt – arm – allein’ am Herzen. Ich mache sie sehr gerne.“ Auch bekomme er viel Dankbarkeit zurück.

Im zurückliegenden Jahr sei vieles über E-Mail und Telefon gelaufen, berichtet Hans-Joachim Schulz, stellvertretender Vorsitzender und Kassenwart von „alt – arm – allein“. Vorstandssitzungen hätten nur online stattgefunden. „Wir haben Anliegen der Menschen und ihre Hilfsbedürftigkeit geprüft und, wenn möglich, geholfen.“

Armen Menschen im Alltag helfen

Der Lockdown im ersten Halbjahr habe dazu geführt, dass die Zahl der Monatsfahrkarten für Senioren zu einem vergünstigten Preis aufgrund der zeitweisen Schließung der Geschäftsstelle zurückgegangen sei. Für Bedürftige konnte Essen auf Rädern und, wenn notwendig, ein Hausnotruf finanziert werden. Im zweiten Halbjahr sei es möglich gewesen, sich auch wieder um Einrichtungsgegenstände von Betreuten zu kümmern, die in die Jahre gekommen und mit Mängeln behaftet waren. „Wir haben Möbel renoviert und notfalls ausgewechselt“, berichtet Schulz.

Ein Anliegen war Schulz, Ehrenamtliche des Besuchskreises über ihre Versicherungsrechte beim Einsatz ihrer Tätigkeit zu informieren. Da ein Teil der Ehrenamtlichen im fortgeschrittenen Alter sei, könne den Helfern bei ihrem Dienst für ältere Menschen auch mal etwas zustoßen. „In dem Fall sollen sie wissen, welche Rechte ihnen versicherungsmäßig zustehen.“

„Es soll keiner zurückbleiben“, so Geschäftsstellenleiterin Sabine Paulus. Zusammen mit Ute Zerger, zuständig für Verwaltung und Organisation, ist die Sozialarbeiterin bestrebt, auch in schwierigen Situationen Lösungen zu finden. Beide sind froh, dass die Geschäftsstelle seit Mitte Mai wieder geöffnet ist und sie zusammen mit ihren Kolleginnen Jenny Schmidt und Christine Koch Ansprechpartner für Betreute sein können.

Monate zuvor habe der Außendienst viel geleistet. „Wer das Bedürfnis gehabt hat, den haben wir unter Beachtung der Hygieneregeln besucht und in der Wohnung für frische Luft gesorgt“, blickt Sabine Paulus zurück. Das erste Vierteljahr sei durch das Impfangebot geprägt gewesen. Ältere Menschen aufzuklären, worum es bei der Impfung geht, Vorurteile abzubauen, Formalitäten zu erledigen und Senioren zum Impfzentrum zu begleiten, hätten Geduld und Zeit gekostet.

Ute Zerger berichtet, dass viele Betreute einen Grund gesucht haben, um auf der Geschäftsstelle anzurufen. „Die Leute konnten nicht vor die Tür und haben einen Gesprächspartner gesucht.“ Beispielsweise haben sich viele, die von der Altenhilfe eine Geburtstagskarte bekommen haben, am Telefon persönlich für den Gruß bedankt. Ein Anruf erreichte die Geschäftsstelle gar aus dem Katastrophengebiet in der Eifel. Warum es eine Altenhilfe wie in Kaiserslautern nicht auch im Ahrtal gebe, wollte die Anruferin wissen. Nicht entgangen ist Ute Zerger, dass viele Leute während der Pandemie ihre Wohnung aufgeräumt haben und nicht mehr gebrauchte Gegenstände aufgrund geschlossener Sozialkaufhäuser der Altenhilfe vor die Tür gestellt haben.

Seniorenzeitschrift bietet kleine Abwechslung

Eine Erleichterung für die Mitarbeiter der Geschäftsstelle war die digitale Nachbesserung der Bürokommunikation, verweist Sabine Paulus auf die Möglichkeit, Anrufbeantworter von Telefonen über einen PC zentral abzuhören. Ab Juni sei die Seniorenkarte zum halben Preis wieder verstärkt gefragt gewesen. Sorgsam habe man bei der Ausgabe auf die Hygienevorschriften geachtet.

Eine kleine Abwechslung für viele Senioren ist die Zeitschrift „Wir“, ein viermal jährlich von der Aktion „alt – arm – allein“ herausgegebenes Blatt für ältere Menschen. „Es ist seniorenfreundlich gestaltet und trägt zum Zeitvertreib bei“, weiß Sabine Paulus.

Dass es nur noch eine kurze Zeit bis zur Eröffnung der Weihnachtsspendenaktion der RHEINPFALZ ist, spüren die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle an den Vorbereitungen. 300 persönliche Einladungen hat Ute Zerger an Personen in Stadt und Landkreis Kaiserslautern verschickt.

Wie die Filiale der Drogeriekette Rossmann in der Kerststraße, organisiere auch der Autositzehersteller Adient dieses Jahr wieder eine Spendenaktion zugunsten alter Menschen in Stadt und Landkreis Kaiserslautern. Zerger: „Für unsere Senioren haben wir dazu die Wünsche im Rahmen eines vorgegebenen Betrages zusammengestellt.“ Dazu seien alle Empfänger von der Geschäftsstelle angerufen und nach ihren Wünschen gefragt worden, so Ute Zerger. „Auch wurden wir in den vergangenen Tagen mit selbst gestrickten Socken, mit Marmelade und Plätzchen für unsere älteren Herrschaften bedacht.“

Für die Weihnachtspäckchenaktion hat die Kartei mit über 600 Personen aus Stadt und Land aktualisiert werden müssen. „Jeder, der 65 Jahre alt ist, Grundsicherung oder Wohngeld bezieht, wird auch dieses Jahr wieder ein Weihnachtspäckchen von ,alt – arm – allein’ erhalten.“ Sozialleistungen seien wichtig und gut, aber: „Wir prüfen noch einmal, wo andere bereits die Segel streichen“, betont Sabine Paulus.

Besuchskreis ist enorm beliebt

Ein wichtiges Instrument in der Organisation der Altenhilfe „alt – arm – allein“ ist der Besuchskreis. Ihm gehören zwischen 40 und 50 Frauen und Männer im Alter zwischen 40 und 70 Jahren an. Ehrenamtlich haben sie sich dazu bereiterklärt, den Kontakt zu betreuten Personen zu halten, für sie Besorgungen und kleine Erledigungen zu machen, ihnen ein Ohr zu schenken oder mit ihnen spazieren zu gehen. „Wir hoffen, dass wir 2022 wieder loslegen können“, gibt sich Marita Gies optimistisch. Zusammen mit Elisabeth Dressing leitet sie den Besuchskreis. „Wir wollen die Leute nicht zu Hause hocken lassen“, gibt sie sich zuversichtlich, im neuen Jahr ein gutes Programm fahren zu können.

Nicht nur bei den Betreuten sei man seit Corona auf Distanz gegangen. Auch seien die sonst regelmäßigen Treffen im Besuchskreis eingeschränkt gewesen. Einmal monatlich sei es in normalen Zeiten üblich, dass man sich im Mehrgenerationenhaus zu einem Thema im Umgang mit Senioren trifft. Vorträge zu Demenz und Betrügereien, denen ältere Menschen schnell zum Opfer fallen, seien von Interesse gewesen. „Ebenso wichtig ist der Erfahrungsaustausch.“ Die Altenhilfe der RHEINPFALZ ist für Marita Gies und Elisabeth Dressing „eine für ältere Menschen segensreiche Einrichtung“.

Für den Initiator und Begründer von „alt – arm – allein“ ist die 25. Weihnachtsspendenaktion zugunsten der Altenhilfe ein besonderer Anlass. „Als ich im November 1997 ,alt – arm – allein’ als Hilfe für ältere, bedürftige und allein stehende Menschen erfand und die Apostelkirchen- und die Marienkirchengemeinde als Mitträger verpflichten konnte, da war ,alt – arm – allein’ ein Projekt für ein Jahr. Niemand von uns dachte daran, dass es eine Dauereinrichtung in Kaiserslautern werden würde“, erzählt Hans- Joachim Redzimski.

Für ihn ist „alt – arm – allein“ der lebendige Beweis dafür, was Menschen auf den Weg bringen können, wenn der gemeinsame Wille da ist. Dazu gehörten entscheidend über die Jahrzehnte hinweg die unzähligen Spender, die die Initiative unterstützt haben. Ohne sie hätte „alt – arm – allein“ nicht entstehen und nicht zu einer bedeutenden Sozialeinrichtung in Kaiserslautern heranwachsen können. „alt – arm – allein“ ist für Redzimski ein Geschenk für Menschen in Not und ein Mittel, ihnen auch im Alter ein Leben in Menschenwürde bieten zu können.

„Ich freue mich riesig darüber, was hier 1997 geboren worden ist, und ich hoffe, dass es noch lange Bestand haben wird“, meint Hans-Joachim Redzimski. „alt – arm – allein“ ist für ihn auch ein bewusstes Zeichen für eine existierende Altersarmut in unserer Gesellschaft und steht für ihn für eine christliche Lebenseinstellung, die Menschen hilft, wenn sie sich selbst nicht helfen können.

Quelle:
DIE RHEINPFALZ, Lokalausgabe Pfälzische Volkszeitung vom 20. November 2021

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