“Es ist unerlässlich”

Sie ist eröffnet, die 25. Weihnachtsspendenaktion der Altenhilfe „alt – arm – allein“. Mit einer Feierstunde in der Apostelkirche wurde die Jubiläumsaktion am Sonntag, traditionell am Totensonntag, eingeläutet. Die Festrede hielt Alt-Oberbürgermeister Gerhard Piontek, der Erfinder der Altenhilfe, Hans-Joachim Redzimski, dankte den Spendern und seinen Mitstreitern.

Von Andreas Sebald

Die Eröffnungsfeier stand im Zeichen der Corona-Pandemie. In der Apostelkirche galt die 2G-Regel, zudem trugen die rund 60 Besucher Masken und hielten das Abstandsgebot ein. Auf den traditionsreichen Empfang im Anschluss an die feierliche Eröffnung wurde verzichtet.

„Muss man einen Verein wie ,alt – arm – allein’ haben?“ Kaiserslauterns Alt-Oberbürgermeister Gerhard Piontek stellte diese Frage in den Raum. „In einem so reichen Land?“, schob er hinterher. Pionteks Antwort war eindeutig und klar: „Es ist unerlässlich.“ Zuvor hatte der Alt-OB skizziert, welche Hilfen von staatlicher Seite für in Not geratene Menschen möglich sind, hatte vorgerechnet, wie viel Geld der Staat Menschen zugesteht – und wie sich diese Summen, etwa die Regelsätze bei der Sozialhilfe, errechneten.


„Respekt und Dank“ an die Spender

Piontek lobte das Engagement der Spender, sprach ihnen „Respekt und Dank“ aus. So seien über die Jahre mehr als fünf Millionen Euro zusammengekommen, im vergangenen Jahr verteilte sich die Rekordsumme von rund 390.000 Euro auf 4800 Spender. „Da sieht man, was zusammenkommen kann, wenn man sich engagiert“, so Piontek. Er appellierte an die Menschen in Stadt und Land, „die sich keine Sorgen machen müssen“, die Altenhilfe auch bei der nun anlaufenden Aktion zu unterstützen.

Piontek unterstrich auch die Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit bei Spendenaktionen, eine Aufgabe, die in der Vergangenheit der Lokalredaktion der RHEINPFALZ zugefallen sei, an deren Spitze bis Ende des vergangenen Jahres mit Hans-Joachim Redzimski der „Statthalter des Vereins“ gestanden habe. Piontek dankte Redzimski, der seit 1. Januar im Ruhestand ist, für sein Engagement. „Ich hoffe, dass die RHEINPFALZ nun nicht abspringt“, sagte der Alt-OB. Eine Befürchtung, die der stellvertretende Chefredakteur Digitales der RHEINPFALZ, Uwe Renners, wenig später bei seinem Grußwort jegliche Grundlage entzog. Die RHEINPFALZ werde die Aktion auch in Zukunft selbstverständlich unterstützen, betonte Renners.

Hans-Joachim Redzimski, Erfinder der Altenhilfe und 27 Jahre lang Chef der RHEINPFALZ-Lokalredaktion in Kaiserslautern, betonte die „mediale Strahlkraft der RHEINPFALZ“, ohne die „alt – arm – allein“ nicht denkbar gewesen sei. „Ein besonderer Dank gilt daher an diesem Abend dem Verleger der RHEINPFALZ, Thomas Schaub, der grünes Licht für die jährlichen Spendenaktionen zugunsten der Altenhilfe gegeben hatte“, sagte Redzimski.

Grußworte für Kreis und Stadt überbrachte Kaiserslauterns Bürgermeisterin Beate Kimmel. Sie entschuldigte Landrat Ralf Leßmeister, der durch die aktuelle Corona-Lage gebunden war. Die Stadt habe in diesem Jahr einen besonderen Beitrag leisten können. Sie hatte „alt – arm – allein“ rund 900 historische Straßenschilder zur Versteigerung überlassen. Der halbe Erlös der Auktion geht an die Altenhilfe, die andere Hälfte an den Verein Lichtblick. Kimmel lobte das Engagement und den Einsatz von „alt – arm – allein“. Nicht nur Sachspenden, sondern auch Zuversicht und Mitgefühl vermitteln der Verein und dessen Engagierte. Sie setzten sich ein für ein Leben in Würde. „Das macht ihre Arbeit zu wertvoll.“

Altenhilfe zeigt sich sensibel für das Umfeld

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Der Pfarrerin der Apostelkirche, Nicole Bizik, ging nach eigenen Worten das Zitat von Albert Schweitzer nicht mehr aus dem Kopf. Der Arzt und Friedensnobelpreisträger habe bei seinen Überlegungen immer alle Lebewesen im Blick gehabt. Zudem sei ihm auch daran gelegen gewesen, dass die Erde von den Menschen nicht ausgebeutet werden soll. Wer sich die Sicht Schweitzers zu eigen mache, werde „sensibel für sein Umfeld“, sagte Bizik. Diese Sensibilität zeigten die Engagierten von „alt – arm – allein“ durch ihre (Beziehungs-)Arbeit, durch die Hilfsangebote für Hilfsbedürftige, sagte die Pfarrerin, die die einleitenden Worte sprach.

Spendendose auch im RHEINPFALZ-Haupthaus Uwe Renners, der stellvertretende Chefredakteur Digitales der RHEINPFALZ, versprach, im Haupthaus der Zeitung in Ludwigshafen persönlich mit der Spendendose durch die Flure laufen zu wollen, um so einen Beitrag zu einem ambitionierten Ziel leisten zu können. „Wir werden versuchen, die 400.000-Euro-Marke zu knacken“, sagte Renners. Er unterstrich jedoch gleichzeitig auch die Bedeutung von guten Worten, die „genauso wichtig sind wie Sachleistungen“. Gerade die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass viele ältere Menschen vor allem mit Einsamkeit zu kämpfen haben. „Als ob es nicht schon genug wäre, dass die Heizung kalt bleiben muss, um die Energierechnung bezahlen zu können, kommen dann die Enkel gar nicht mehr.“

Der Erfinder und Initiator von „alt – arm – allein“, Hans-Joachim Redzimski, nutzte sein Schlusswort für einen Blick zurück. Keinen Moment hätten damals Dieter Schupp von der Apostelkirche und Edmund Janson von der Marienkirche gezögert, auf Redzimskis Idee einer Altenhilfe einzugehen. „Keiner konnte seinerzeit nur im Entferntesten daran denken, welche Entwicklung ,alt – arm – allein’ in Zukunft nehmen würde“, sagte der ehemalige Leiter der Lokalredaktion Kaiserslautern der RHEINPFALZ. „Aus einer Ideenskizze ist ein Sozialwerk geworden.“

„Herzensangelegenheit und Erfolgsgeschichte“

Das werde Jahr für Jahr in der Vorweihnachtszeit – seit nunmehr 24 Jahren – von Tausenden von Spendern unterstützt. Der Begründer der Altenhilfe dankte den Spendern, die sich die Einrichtung so über die Jahre „zu einer Herzensangelegenheit“ gemacht hätten. Die Stadt- und Kreisgesellschaft habe so dazu beigetragen, „alt – arm – allein“ als eine „soziale Marke“ zu etablieren. Zahlreichen Menschen habe so in den vergangenen zwei Jahrzehnten geholfen werden können, die Altenhilfe habe Freude in viele Wohnungen tragen können. „Wo kein Licht war, wurde Licht“, sagte Redzimski.

Redzimski dankte allen Menschen, die zur „Erfolgsgeschichte von ,alt – arm – allein’ beigetragen haben“. Das Engagement sei nicht selbstverständlich, sondern leite „sich ab von einem christlichen Menschenbild, nämlich Menschen zu helfen, wo Hilfe vonnöten ist“. Seinem Nachfolger an der Spitze der RHEINPFALZ-Lokalredaktion, Christian Clemens, wünschte er, dass er beim Rückblick auf die gerade angelaufene Spendenaktion, dann im Januar 2022, ein ähnlich positives Fazit werde ziehen können, wie er es einst nach der ersten Aktion, im Januar 1998 habe tun können. „Ich schrieb damals, ich habe nachgeschaut, von einer Bürgerinitiative“, so Redzimski.

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnungsfeier von Ekaterina und Harald Kronibus. Die beiden Musiker wechselten sich an E-Piano und Gesang ab und ernteten für Stücke wie „Ave Maria“ und das abschließende „Amazing Grace“ lange anhaltenden Applaus.

 

Quelle:
DIE RHEINPFALZ, Lokalausgabe Pfälzische Volkszeitung vom 22. November 2021

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