20. Weihnachtsessen im Julien

 An Heiligabend ist niemand gerne alleine: In weihnachtlichem Ambiente beisammensitzen, gemeinsam essen und erzählen, das hat die Altenhilfe „alt - arm - allein“, getragen von der RHEINPFALZ, der Apostelkirche und der Marienkirche, dieses Jahr wieder rund 40 von ihr betreuten älteren Menschen ermöglicht. Was sie erlebten.

Von Joachim Schwitalla

Zum 20. Mal haben es sich Martina Langguth, Betreiberin des Restaurants „Julien“, zusammen mit Küchenchef Eddy Brandstetter nicht nehmen lassen, die Initiative der RHEINPFALZ zu unterstützen, für die Senioren an Heiligabend hinterm Herd zu stehen und sie an festlich gedeckten Tischen zu bewirten. Der Zubringerdienst mit Taxen und Privatfahrzeugen hat auch dieses Mal wieder funktioniert. Dem Anlass gemäß adrett gekleidet und frisiert, sitzen die Gäste an den festlich gedeckten Tischen. Bei Kerzenschein und gedämpftem Tageslicht kommt man sich näher, macht sich bekannt, wirft einen Blick auf die Speisekarte und kommt miteinander ins Gespräch.

Werner Stumpf, Vorsitzender der Altenhilfe, ist wie die Vertreter der Altenhilfe, Elisabeth Dressing, Margit Schupp, Sabine Paulus und Ute Zerger um das Wohl der Gäste bemüht. Während Martina Langguth und Eddy Brandstetter zusammen mit auszubildenden Köchen in der Küche das viergängige Weihnachtsmenü vorbereiten, reichen die Bedienungen Melina und Barbara den Gästen vorab einen Willkommenstrunk.

Olinda Minch (85) aus Kasachstan, seit 24 Jahren in Kaiserslautern, weiß die Unterstützung durch die Altenhilfe zu schätzen. Ein Zuschuss zu den Heizkosten kommt der allein lebenden Frau sehr zu Hilfe. Dankbar ist sie auch über Ausflüge, zu denen die Altenhilfe einlädt. Für Lilly Lenz (70) ist es das zweite Mal, dass sie an Heiligabend zu Gast im „Julien“ ist. Für die Witwe aus Russland war auch das Lebensmittelpäckchen willkommen, das sie von der Altenhilfe vor Weihnachten erhielt. „Honig, Süßigkeiten und Kaffee“, zählt sie auf.

Abschied nach 20 Jahren

Auf einer Harfe stimmt Kathrin Hach mit leisen Tönen „Stille Nacht“ an. Weihnachten ist’s. Zeit für Werner Stumpf, danke zu sagen. Sein Dank gilt Martina Langguth, Eddy Brandstetter und Miriam Schmitt, die sich seit 20 Jahren ehrenamtlich in den Dienst der Altenhilfe „alt − arm − allein“ stellen. Für Miriam Schmitt, die all die Jahre für die musikalische Umrahmung des Beisammenseins gesorgt hat, ist es zugleich ein Abschied. Sie hat Kaiserslautern verlassen und wohnt bereits seit einem Jahr in Bayreuth. „Ihre Arbeit für ,alt − arm − allein’ ist alle Ehre wert“, dankt Stumpf für das Engagement und überreicht jedem ein Präsent.

Unter den Gästen ist auch Friedenradler Hans Herbrand. Er vermisst Norbert Thines, den ehemaligen und langjährigen Vorsitzenden von „alt − arm − allein“. „Ein feiner Kerl mit einem goldenen Herz, ein Unikat“, so hat er seinen erkrankten FCK-Freund Thines in guter Erinnerung.

Wiedersehensfreude bestimmt das Gespräch am Tisch von Gretel (85) und Ernst Jung (94). Zu dem seit 25 Jahren in zweiter Ehe verheirateten Paar hat sich Poul Brebec, eine Französin, gesellt. Sie war mit einem in Ramstein stationierten Amerikaner liiert. Aus den USA ohne ihren Mann zurückgekehrt, lebt sie allein und ist froh über die Unterstützung durch die Altenhilfe.

Auftakt mit Rahmsüppchen

Während Kathrin Hach von der Harfe zum Keyboard gewechselt hat und für weihnachtliche Melodien sorgt, werden aus der Küche Gaumenfreuden serviert. Mit einem „Rahmsüppchen Maison“ geht’s los. Es folgt ein „Kleiner Wildkräutersalat mit französischer Charcuterie & Orangenvinaigrette“. Als Hauptgang werden „Braisierte Rindfleischwürfel mit Elsässer Spätzle“ serviert. Weihnachtlich die „Dessertvariationen“.

Für viele der älteren Gäste ist es lange her, dass sie Weihnachten im Kreis der Familie gefeiert haben. Umso schöner die Erinnerungen an das Fest. Es ist den betagten Teilnehmern ans Herz gewachsen.

Bevor es nach gut drei Stunden nach drei gemeinsam gesungenen Weihnachtsliedern wieder zurück nach Hause geht, dankt RHEINPFALZ-Redaktionsleiter Hans-Joachim Redzimski, Erfinder und Gründer der Altenhilfe, allen, die sich in diesem Jahr für die Altenhilfe „alt − arm − allein“ engagiert haben, im Vorstand, in der Geschäftsstelle, im Besuchskreis, in der Stiftung oder in der Redaktion der eigenen Hauszeitung „Wir“. Besonders dankt er Werner Stumpf für seine unermüdliche Arbeit als Vorsitzender sowie Geschäftsführer der Stiftung.

Quelle:
DIE RHEINPFALZ, Ausgabe Pfälzische Volkszeitung von Freitag, 27.12.2019
Fotos: Agentur VIEW, Kaiserslautern