Eröffnungsveranstaltung 2017

 DIE RHEINPFALZ, Ausgabe Pfälzische Volkszeitung vom Montag, 27. November 2017

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 „ALT - ARM - ALLEIN“: Eröffnung der Spendenaktion 2017

 „Überall schreiben wir das Wir groß“

20 Jahre nach der Gründung im Jahr 1997 hat „alt - arm - allein“ gestern Abend zum 21. Mal die Weihnachtsspendenaktion der RHEINPFALZ eröffnet. In der Apostelkirche bescheinigte Festrednerin und Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler der Aktion, „wirklich erfolgreich“ zu sein. Sie sang das Hohelied auf das Ehrenamt, das mit Unterstützung der Politik jedoch noch bessere Rahmenbedingungen erfahren müsse.

Von Marita Gies

„Es ist mir eine Freude und Ehre, bei der Eröffnung der Aktion dabei sein zu dürfen“, stellte Sabine Bätzing-Lichtenthäler gestern Abend in der fast vollen Apostelkirche fest. Zusammen mit den Besuchern und der Seniorenhilfe „alt − arm − allein“ eröffnete sie die 21. Weihnachtsspendenaktion der RHEINPFALZ. Im vergangenen Jahr seien 310.000 Euro in Kaiserslautern und der umliegenden Region gespendet worden. Das sei „ein stolzer Betrag“, mit dem das Netzwerk aus den beiden Kirchengemeinden St. Maria und Apostelkirche sowie der Tageszeitung „unbürokratisch, aber gezielt älteren Menschen in Stadt und Landkreis“ hilft. „Sie sind wirklich erfolgreich mit dieser Aktion“, stellte die Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie fest.Bätzing-Lichtenthäler ging auf die große Bedeutung der Ehrenamtlichen ein, mit deren Hilfe „alt − arm − allein“ für konkrete Beratung, Hilfe und Unterstützung sowie im Besuchskreis Zeit und Freude schenke und Wege aus der Einsamkeit ermögliche. Die Ehrenamtler vermittelten das Gefühl: „Ich gehöre dazu, ich bin nicht am Rande.“

Das Thema Altersarmut zähle zu den sozialpolitischen Herausforderungen der Zukunft, konstatierte die Landesministerin. Die Gefahr der Altersarmut beunruhige viele Menschen, denn eine schlechte materielle Lage gehe mit vielen Formen der Ausgrenzung einher. Armut im Alter sei in hohem Maße durch die jeweiligen Erwerbsbiografien bedingt, woraus sich geringe Rentenansprüche ableiteten. Oft seien Frauen davon betroffen. Es sei dringend erforderlich, dass die Politik nicht tatenlos dabei zusehe, sagte Bätzing-Lichtenthäler.

Sie sprach den landesweiten Beteiligungsprozess „Armut begegnen − gemeinsam handeln“ an, dessen Ziel es sei, Menschen mit Armutserfahrung und soziale Akteure zu Wort kommen zu lassen. Es sollten konkrete Lösungen zur Prävention und Bekämpfung von Altersarmut erarbeitet werden, um die Lebenswirklichkeit der Menschen spürbar zu verbessern.

Bätzing-Lichtenthäler hob auch den Gemeinschaftssinn, das Miteinander, das „Wir“ hervor. Es werde nicht nur bei „alt − arm − allein“ groß geschrieben, sondern in ganz Rheinland-Pfalz, etwa in Sportvereinen, sozialen Organisationen, der Freiwilligen Feuerwehr oder den Rettungsdiensten und Kirchen. Viele Menschen übernähmen freiwillig Verantwortung und engagierten sich für das Gemeinwesen. Darauf könne man stolz sein: „Überall schreiben wir das Wir groß.“

Für dieses Engagement biete das Land Unterstützung in den Landkreisen und den Kommunen an. Das Land könne die Rahmenbedingungen für Engagement verbessern. Sie nannte den Versicherungsschutz oder die Ehrenamtskarte und den Ehrenamtstag. „Bürgerschaftliches Engagement lebt von der Vielfalt der Menschen“, doch müssten gerade Jüngere besser eingebunden werden. Vor allem junge Menschen mit weniger Schulbildung seien weniger im Ehrenamt engagiert. „Das dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren. Sie dürfen nicht abgehängt werden.“

Zu Beginn der Feierstunde hatte Pfarrerin Susanne Wildberger als Hausherrin die Spendenaktion als „großartige Sache“ gewürdigt. Dass sie von der ersten Stunde an so durchorganisiert war und gut lief, sei den drei Gründervätern Pfarrer Edmund Janson (Marienkirche), Pfarrer Dieter Schupp (Apostelkirche) und Hans-Joachim Redzimski (RHEINPFALZ) zu verdanken. Hinzu gekommen seien „Leute, die Verstand haben und die christlich geprägt sind“.

Eine „herausragende Leistung über Jahrzehnte hinweg“ attestierte der städtische Beigeordnete Joachim Färber der Altenhilfe. Zugleich bedauerte er, dass es einer solchen Aktion in der heutigen Zeit bedürfe, denn eigentlich sei das eine ureigene Aufgabe der Politik.

Menschlichkeit, unbürokratisches Handeln und direkte Hilfe prägten den Verein seit 20 Jahren, konstatierte Peter Schmidt, Beigeordneter des Landkreises, in seinem Grußwort. Ältere Menschen täten sich schwer damit, Hilfe anzunehmen, sie wollten lieber selbst geben. Oft seien die Kinder irgendwo in der Welt, kämen vielleicht ein paarmal im Jahr und stünden selbst immer unter Stress. Bekannte seien häufig nicht mehr da, weshalb die Hilfe der Ehrenamtlichen des Vereins so wichtig sei. Schmidt befürchtete, dass „wir den Verein noch länger brauchen, denn die Entwicklungen verheißen nichts Gutes“.

Auf das 20. Jubiläum von „alt − arm − allein“ ging Hans-Joachim Redzimski, Leiter der RHEINPFALZ-Redaktion Kaiserslautern, ein: „Wir haben das Feiern bewusst klein gehalten“, sagte er, denn 20 Jahre seien zum einen kein klassisches Jubiläum, zum anderen sei „alt − arm − allein“ ein „Verein der leisen Hilfe“. Redzimski nahm jedoch das Jubiläum zum Anlass, den Menschen zu danken, die sich über 20 Jahre an die Seite von „alt − arm − allein“ gestellt haben: den Spendern. Weit über vier Millionen Euro seien allein über die RHEINPFALZ-Weihnachtsspendenaktion zusammengekommen. „Gibt es einen eindrucksvolleren Beweis von Solidarität in unserer Gesellschaft?“

Seinen Dank richtete er außerdem an die vielen ehrenamtlichen Helfer: „Es sind die Menschen im Besuchskreis, die ältere, bedürftige und alleinstehende Menschen buchstäblich an die Hand nehmen.“ Darüber hinaus würdigte Redzimski die Ehrenamtler im Vorstand des Vereins, die Zeit opferten, damit Hilfe bei denen ankommt, die darauf angewiesen seien. Ein Vorstandsmitglied hob er hervor: Jürgen Weber von der Apostelkirche, der von Anfang an im Vorstand vertreten war und vor wenigen Tagen nach 20 Jahren auf eigenen Wunsch verabschiedet wurde. Er sei damals Vorsitzender der Bezirkssynode in Kaiserslautern gewesen und habe sofort Ja gesagt, als er ihn um seine Mitarbeit gebeten habe.

Der RHEINPFALZ-Redakteur schloss mit den Worten: „Wir hoffen wieder auf eine starke Weihnachtsspendenaktion, damit wir schwachen Menschen weiter gezielt und unbürokratisch helfen können.“

Der Schubertchor Kaiserslautern verschönerte die Feierstunde musikalisch, begann sie mit geistlichen Liedern und beendete die Eröffnung mit dem Peter-Maffay-Song „Ich wollte nie erwachsen sein“ („Nessajas Lied“) aus dem Musical „Tabaluga“.

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